Wanzen und Kameras aufspüren: So geht Gegenüberwachung

Ein handelsüblicher GSM-Sender mit Mikrofon kostet auf einschlägigen Plattformen keine 20 Euro mehr. GPS-Tracker für Fahrzeuge sind ab etwa 30 Euro erhältlich, und Minikameras mit WLAN-Übertragung verstecken sich heute in Rauchmeldern, Steckdosen oder Bilderrahmen. Die Technik zur verdeckten Überwachung ist demokratisiert worden, und das ist ein Problem. Wer einen konkreten Verdacht hat, muss nicht sofort einen Profi beauftragen. Mit der richtigen Methodik kann man selbst eine erste Bestandsaufnahme machen.

Rechtliche Grundlage vorab

Bevor es um Technik geht, ein kurzer Blick auf das Recht. Das unbefugte Anbringen von Abhörgeräten ist in Deutschland strafbar. § 201 des Strafgesetzbuchs stellt das Aufnehmen des nichtöffentlich gesprochenen Wortes ohne Einwilligung unter Strafe, Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren ist möglich. Wer also in seiner eigenen Wohnung oder seinem eigenen Fahrzeug nach fremden Geräten sucht, handelt völlig legal. Das Anbringen solcher Geräte durch Dritte hingegen ist eine Straftat. Im Fall eines Fundes sollte man die Polizei einschalten und das Gerät nicht eigenmächtig entfernen oder manipulieren, um Beweismittel zu sichern. Den genauen Wortlaut des Paragrafen findet man bei gesetze-im-internet.de.

Systematische Sichtprüfung: Der erste Schritt

Technische Hilfsmittel kommen erst an zweiter Stelle. Zunächst lohnt eine gründliche Sichtprüfung des Raums oder Fahrzeugs. Versteckte Kameras und Wanzen müssen irgendwo untergebracht sein, und das hinterlässt Spuren: frisch gebohrte Löcher, Kleberückstände, Gegenstände die nicht zum Raum passen oder die seit kurzem an einem anderen Platz stehen.

Im Raum sollte man auf folgende Stellen besonders achten:

  • Rauchmelder und Bewegungsmelder, besonders frisch montierte oder solche mit sichtbaren Kleberesten
  • Steckdosen und Mehrfachstecker, in die ein Gerät integriert sein kann
  • Bilderrahmen, Bücher und Dekorationsartikel mit kleinen Öffnungen
  • Beamer, Fernseher und andere Elektronik mit ungewöhnlichen Erweiterungen
  • Zwischenräume hinter Heizkörpern, in Blumentöpfen oder unter Möbeln

Im Fahrzeug sind Stoßstangenverkleidungen, der Bereich unter dem Fahrzeug, der Kofferraum und die Radkästen klassische Verstecke für magnetisch befestigte GPS-Tracker. Wer ein Fahrzeug mit dem Verdacht auf Manipulation übernimmt, sollte auch die OBD-Diagnoseschnittstelle prüfen. An dieser Buchse sitzen in neueren Autos Adapter, die Standort und Fahrtdaten übertragen.

Technische Hilfsmittel sinnvoll einsetzen

Ein HF-Detektor, also ein Hochfrequenz-Detektor, ist das meistgenutzte Gerät bei der Suche nach aktiven Sendern. Er reagiert auf Funksignale, die von GSM-, WLAN- oder Bluetooth-Geräten ausgestrahlt werden. Die Geräte gibt es für unter 50 Euro, allerdings mit deutlichen Einschränkungen: Sendepausen werden nicht erkannt, und bei hoher Funkhintergrundstrahlung in Städten sind Fehlalarme häufig.

Professionellere Detektoren arbeiten mit breiteren Frequenzbändern und zeigen auch Basisbandsignale an. Wer in einem Bürokomplex arbeitet oder in einer Umgebung mit viel WLAN-Infrastruktur sucht, wird mit einem günstigen Consumer-Gerät kaum weiterkommen. Für komplexe Situationen empfiehlt sich der Kontakt zu einem Fachbetrieb. In Baden-Württemberg etwa ist Lauschabwehr Stuttgart ein Anbieter, der auf professionelle Gegenüberwachung spezialisiert ist und entsprechende Mess- und Analysetechnik mitbringt.

Für Kameras gibt es sogenannte Linsendetektoren, die im Dunkeln eine fokussierte LED-Reihe abstrahlen und dabei Kameralinsen zum Reflektieren bringen. Diese Methode funktioniert gut, wenn man weiß, wo man suchen muss, aber eine Linse von zwei Millimetern Durchmesser hinter einem Stoff oder Gitter zu finden bleibt schwierig. Smartphones mit IR-Kamera (das vordere Kameramodul einiger Modelle filtert kein Infrarot) können IR-LEDs in versteckten Kameras sichtbar machen. Das klappt jedoch nicht bei allen Kameramodellen.

GPS-Tracker erkennen ohne Profi-Equipment

GPS-Tracker senden entweder kontinuierlich oder in Intervallen. Bei Intervallsendern versagt ein HF-Detektor, der nur zum richtigen Zeitpunkt gehalten werden müsste. Es gibt jedoch spezialisierte GPS-Tracker-Finder, die auf die typischen LTE-Cat-M1- oder NB-IoT-Signale moderner Tracker reagieren. Der Frequenzbereich liegt je nach Netzstandard zwischen 700 MHz und 2,1 GHz.

Eine kostengünstige Alternative ist eine WLAN-Analyse-App, mit der man das Funknetz in einem Raum scannt. Unbekannte Geräte, die kein bekanntes Geräteprofil haben und nur kurz auftauchen, können ein Hinweis sein. Vollständige Sicherheit bietet das nicht, aber es kann einen Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen liefern.

Wann professionelle Hilfe notwendig ist

Eine Selbstsuche reicht für einen ersten Überblick. Bei ernstem Verdacht, etwa in Unternehmensumgebungen, in Scheidungsverfahren mit hohen Vermögenswerten oder bei Verdacht auf Wirtschaftsspionage, ist professionelle Gegenüberwachung der einzig sinnvolle Weg. Professionelle Suchen umfassen neben HF-Analysen auch Infrarot-Thermografie, nicht lineare Kreuzungsdetektoren (NLJD) und leitungsgebundene Prüfungen der Telefon- und Datenleitungen.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik weist in seinen Veröffentlichungen darauf hin, dass Wirtschaftsspionage in Deutschland ein reales und wachsendes Problem ist. Der Schaden durch Industriespionage liegt laut verschiedenen Erhebungen im zweistelligen Milliardenbereich pro Jahr. Betroffen sind nicht nur Konzerne, sondern zunehmend mittelständische Unternehmen mit spezialisiertem Fertigungs-Know-how.

Checkliste für die praktische Suche

Methode Geeignet für Grenzen
Sichtprüfung Erste Orientierung, grobe Anomalien Sehr kleine Geräte unsichtbar
HF-Detektor (Consumer) Aktive GSM/WLAN-Sender Intervallsender, hohe Hintergrundstrahlung
Linsendetektor Versteckte Kameras im Dunkeln Verdeckte Linsen, kein Blickwinkel
WLAN-Scan per App Netzwerkgebundene Kameras Nur bei aktivem WLAN-Betrieb
Professionelle TSCM-Suche Unternehmensräume, Hochrisikosituationen Kosten, Vorlaufzeit

Wer einen Fund macht, sollte das Gerät fotografieren, den Fundort dokumentieren und nichts verändern. Dann gilt: Polizei informieren. Wer keinen Fund macht, aber der Verdacht bleibt, sollte sensible Gespräche vorübergehend außerhalb der verdächtigen Räume führen und einen Fachbetrieb mit einer strukturierten Suche beauftragen. Paranoia ist keine gute Grundlage für Entscheidungen, ein fundierter Verdacht sehr wohl.

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