Ich erwähnte mal, bei Themeforest aktiv zu sein. Heute möchte ich endlich eine kleine Rückmeldung geben, was wir erreicht haben, was wir nicht erreicht haben und ob sich Themeforest für deutsche Webdesigner eigentlich lohnt. Eingestiegen sind wir (zu zweit) mit einem 4,-$ Underconstruction Template, welches uns bis heute ca. 600,-$ eingebracht hat. Seitdem sind wir ca. siebeneinhalb Monate dort aktiv und haben inzwischen einem Portfolio von 4 Items um die 12.000,-$ eingenommen (davon geht ziemlich genau die Hälfte an Themeforest), wobei der Löwenanteil einem Item zu verdanken ist, das 30,-$ kostet und seit Anfang Juni drin ist.
Was ist von Themeforest nun hauptsächlich an uns hängen geblieben? Hauptsächlich ein Haufen Sklavenarbeit und ein noch größerer Haufen strunzdummer und unnötiger Supportanfragen (welche ich inzwischen einfach ignoriere, darauf komme ich aber gleich noch zurück). Jeder Reviewer und der komplette Envato Support ist – meiner Meinung nach – nach wie vor völlig unfähig, und wie mir scheint bekommt Themeforest zur Zeit langsam aber sicher eine Quittung dafür ausgestellt.
Aber nochmal kurz zum rechnerischen: 6.000,-$ machen im Durchschnitt insgesamt ca. 4300,-€, welche für uns übrig geblieben sind (in 7 einhalb Monaten!) für jede Auszahlung mussten wir auch die SWIFT-Transfergebühr von 35,-$ bezahlen, mal nebenbei (berücksichtige diese aber nicht weiter und rechne eher optimistisch). Diese 4300,-€ durch 2, weil wir 2 Personen sind, und nochmal durch optimistische 1.5, weil Vater Staat ja noch Steuern gezahlt bekommen möchte. Macht 1433,-€ für jeden. Unter Berücksichtigung der reingesteckten Arbeit und der Zeit, über welche wir diese Einnahmen erst generiert haben, ist das ein Witz.
Vor- und Nachteile
Themeforest hat in meinen Augen 2-3 Vorteile. Zum einen bietet es einen hervorragenden Platz, um etwas zu lernen, wenn man in den Beruf des Webdesigners einsteigen möchte. Dabei endet aber die Lernkurve leider auch ziemlich schnell, weil die Verwirklichung von WordPress-Templates, welche als Königsdisziplin hier gesehen werden dürfen, weil sie einfach die meisten Ertragschancen bieten (man sehe sich die meistverkauften Items an und bemerke das bedrückende Übermaß von WordPress-Themes), relativ einfach ist, was schon der nächste Vorteil ist. Es ist also nichts wirklich fordernd (meiner Meinung nach).
Ein weiterer Vorteil ist, dass man sich mit Themeforest einen halbwegs kosntanten Geldfluss schaffen kann, für den man hauptsächlich nur einmal viel tun muss und der nach (erfolgreichem) Durchlaufen des Review-Prozesses einfach da ist.
Die Nachteile überwiegen leider bei weitem. So ist natürlich erst einmal für Webdesigner aus Deutschland oder anderen Ländern, in denen die Währungen deutlich stärker und die durchschnittlichen Lebenserhaltungskosten höher sind, das Problem des Wechselkurses ein sehr ernstzunehmendes. Sofern man hier nicht zu den Top-Verkäufern zählt, wobei wiederum zu berücksichtigen ist, dass diese entsprechend weit mehr Arbeit wegen der höheren Zahl an strunzdummen Supportanfragen haben.
Die erwähnten Supportanfragen sind weiterhin ein großes Problem von Themeforest – natürlich ist es irgendwie klar, dass man als Hersteller eines Produkts irgendwie auch Support für dieses anbieten sollte. Nun taten und tun wir dies nach wie vor, jedoch sind wir dazu übergegangen, dumme Supportanfragen unbeantwortet zu lassen, das wiederum wirkt sich jedoch negativ auf die Bewertungen und Weiterempfehlungen aus. Jetzt könnte jemand daherkommen und sagen “Wenn das angebotene Produkt im Großen und Ganzen aber gut ist, wird die Überzahl der Bewertungen auch gut ausfallen und einzelne negative Rachebewertungen gehen unter!”. Irrtum. Wenn 90% der Anfragen so lauten wie “Wie kann ich die gesamte Seite kleiner machen?” oder “Das Stylesheet fehlt, das Theme ist also defekt. Könnten Sie mir verraten wie ich es nun installieren soll?” dann merkt man schon, welches Klientel dort hauptsächlich einkauft, nämlich ahnungslose Möchtegerndesigner, die auf Kosten der Theme Autoren Kundenaufträge absolvieren und ordentlich Kohle scheffeln und noch ahnungslosere Privatkäufer die nicht mal wissen, wie man eine Schriftart ändert.
Ich kritisiere an dieser Stelle insbesondere, dass man eventuell mal ein gewisses Grundwissen aufbauen sollte für das Produkt, welches man kauft. Wenn ich z.B. ein WordPress-Produkt kaufe, dann sollte ich wissen, wie man eine statische Seite als Blog festlegt oder wie man das Theme korrekt installiert. Und wenn man ein HTML-Theme kauft sollte man wissen, dass man im Prinzip ein Grundgerüst gekauft hat und keine vollständig funktionale Seite. Man kauft sich ja auch irgendwie kein Auto, wenn man nicht weiß, wo das Gaspedal ist.
Das Problem daran solche oder ähnlich dumme Anfragen zu ignorieren ist – wie bereits angedeutet – aber, dass diese Käufer meinen, für 30$ müsste man denen jeden Wunsch erfüllen und sie seien die Könige, und wehe ein Autor behandelt den Kunden mal nicht wie den König, dann gibt’s eben eine 1-Stern Bewertung, die sehr schnell mal die Gesamtwertung abrutschen lässt. Und leider gibt es keine richtigen Reviews, wie bei Amazon, wo man beim lesen des ersten Satzes einer 1-Stern Bewertung schon erkennt, ob hier ein Troll / Vollidiot zugange war oder das Produkt wirklich schlecht ist.
Ein weiteres Problem sind die Reviewer, die irgendwie unfähig sind. Generell ist das Prinzip des Filterns von eingestellten Items sehr gut (und hat bisher auch recht gut bei Themeforest so wie bei Apple) geklappt. In letzter Zeit ist Themeforest dazu übergegangen, immer weniger und angeblich nur noch einzigartigere und deutlich bessere Items zu akzeptieren. Man sollte meinen, das ist ein Fortschritt, aber irgendwie scheint es ein Rückschritt zu sein – aber das liegt an den Reviewern. Diese scheinen sich im Gegensatz zu den Autoren nicht ansatzweise parallel weiterzuentwickeln sondern sind in ihrem idiotischen subjektiven Machtempfinden und ihren aussagelosen Hilfestellungen und Supports völlig festgefahren. Und das zeigt sich deutlich in den Verkaufsstatistiken der neuesten Items. Wo früher die Zahlen locker dreistellig werden konnten, stehen heute kaum noch zweistellige. Und das, obwohl die Items auf der Startseite definitv die meistbesuchten auf Themeforest sind und dank der runtergesetzten Einstellquote länger dort bleiben (noch vor zwei Monaten erschienen jeden Tag mindestens 8-10 Items, zur Zeit kommen 2-5 Items alle zwei Tage durch).
Fazit
Insgesamt scheint mir Themeforest nicht nur für europäische Webdesigner sondern auch für jeglichen anderen Autor, der sich nicht mit Sklavenarbeit beladen möchte, völlig suboptimal zu sein. Viele Funktionen auf der Seite sind unausgereift, Dinge schlecht durchdacht und im Hintergrund steht ein unfähiges Team. Ich möchte nicht bestreiten, dass das System einmal gut war, aber inzwischen ist die Blütezeit definitiv abgelaufen und das Ganze bleibt nur noch aufgrund der bereits erreichten Marktmacht und der Abwesenheit von besseren Alternativen (ja, es gibt, soweit ich das beurteilen kann, keine annähernd so gute alternative Plattform) weiterhin an der Spitze. Wer sich trotzdem in das Dasein als Themeverkäufer einarbeiten möchte, dem empfehle ich einen eigenen Themeshop aufzubauen, was mit Hilfe von z.B. e-Junkie (erfolgreiches Beispiel) relativ einfach zu verwirklichen ist und ungeahnt gut läuft, sofern man tatsächlich gute Ware anbietet. Denn der Fakt, dass man tatsächlich 100% der Einnahmen – abgesehen von den Abgaben an Vater Staat – für sich behalten kann und keinem ätzenden, täglich hin- und herhüpfendem Wechselkurs unterstellt ist, gleicht einiges an der Quantität der Verkäufe aus und man fühlt sich zudem nicht versklavt. 