Gestern bin ich über einen Artikel gestoßen, der mich zugegebenermaßen etwas entsetzt hat. Sachar K. ruft in seinem Artikel dazu auf, für einen kleinen Blumenladen in Berlin zu spenden – insgesamt müssen 10.000 Euro her, um den Blumenladen am 24. Dezember vor dem Aus zu bewahren. Erschwerend kommt hinzu, dass Sachars Freundin auch in diesem Blumenladen arbeitet. Also eine recht schwierige Situation, denn wenn jemand seine arbeitslos wird, ist das immer doch recht problematisch für alle Umstehenden und besonders für die Betroffenen.

An der Grundidee ist soweit nichts verwerfliches. Ich kann mich jedoch partout nicht mit dem Text des Artikels anfreunden, so dass ich zuerst wohl etwas hitzköpfig reagiert habe (auch wenn ich weiterhin zu meiner Meinung stehe). Dieser Text ist – ich drücke es mal unkompliziert aus – ganz simpel unglaublich unsozial und unschön geschrieben. Ständig dreht es sich nur um den einen einzigen Blumenladen, als ob es keine anderen gäbe, die auch in finanzieller Not sind. Schon allein die Überschrift ist im reißerischen Bildzeitungsniveau mit mitleidserregendem Unterton geschrieben: “Wollen wir wirklich in so einer Welt leben?”, lautet sie, dabei wird schon bald klar, dass eigentlich nur ein kleiner Blumenladen im Mittelpunkt steht. Darauf folgen (übertrieben!) Hasstiraden auf Globalplayer wie McDonald’s, Nike, Adidas usw. wo die Menschen doch ach so unindividuell beraten würden. Weil es diese Läden überall gibt, wird außerdem gleich schlussgefolgert, dass dann doch der Besuch einer anderen Stadt gar nicht lohnt, weil sowieso überall alles gleich ist (WTF???). Doch was genau haben diese Globalplayer (die doch auch mal so klein wie der Blumenladen angefangen haben) mit dem Blumenladen zu tun? Ist das Ziel nun, die Menschen zu anderen Konsumgewohnheiten zu bringen oder was soll das? Verzeihung, aber ich sehe einfach keinen roten Faden an dieser Stelle – nur ein weiteres subtiles Vorgehen, den Leser am Ende zur Spende zu bewegen.

Der Autor des Artikels kann zudem im Grunde nur als Gewinner aus der Geschichte gehen: Sachar K. ruft zu einer vermeintlich wohltätigen Aktion auf und alle, die in irgendwie nicht helfen möchten, bleiben im Unterbewusstsein als Buhmänner zurück. Und wie Carsten Knobloch treffend in seinem Kommentar bemerkt hat, geht Sachar K. bei Erfolg der Aktion als “Held” hervor. Einige weitere unschöne Stilmittel werden auch noch benutzt, aber ich muss hier ja auch nicht meine Kommentare noch einmal reinschreiben, die könnt ihr euch beim Artikel selbst noch einmal durchlesen. Und was ich nun noch gar nicht erwähnt habe, behalte ich auch für mich ;-)

Eines möchte ich aber nun selbst zu denken geben: So wie ich die heutige Zeit erlebe, würde ich inzwischen beinahe sagen, dass der Erfolg eines Selbständigen / Unternehmens nur noch von der Branche abhängt. Natürlich ist das etwas zu provokativ, aber ich möchte es einmal so darstellen: Wer von euch geht gerne ins Theater? Wer ins Museum? Wer hat bei sich zuhause Originalgemälde eines Künstlers hängen? Ich sehe es nämlich folgendermaßen:

Die älteren Generationen werden immer älter. Die meisten jungen Menschen interessieren sich nicht mehr für Theater, Kunst, Literatur. Es zählt nur noch Facebook und Saufen – sogar Schulbücher werden weitestgehend gemieden, kaum gelesen. Ich sehe an meiner Bushaltestelle zunehmend kleine, schreiende Balge, die nicht älter als 10 Jahre sein können und sich bereits per Bluetooth “Arsch und Titten” auf ihre Touchhandys rüberschicken. Darunter leidet natürlich unter anderem ein Blumenladen, für welchen Sachar K. sich so einsetzt: denn welcher Jugendliche geht noch in einen Blumenladen um Blumen zum Geburtstag seiner Mutter zu kaufen oder zum Jahrestag seiner Beziehung. Darunter leiden nicht nur kleine Selbständige, wie es beim Besitzer des Blumenlädchens der Fall ist – darunter leiden auch von der Stadt unterstützte Theater und Museen. Ich für meine Region kann nur stark mutmaßen, dass es um das Stadttheater Hildesheim nicht mehr sehr gut bestellt ist, ebenso auch nicht um das eigentlich tatsächlich weltberühmte Römer- und Peläzeus-Museum.

Mein Schlusswort gilt noch einmal dem Blumenlädchen in Berlin. Wer wie ich denkt, dass Sachar K. eine im Grunde genommen gute Tat versucht zu vollbringen und nicht so wie ich denkt, dass sein Artikel einfach nur zum Kotzen (jawohl, zum Kotzen!) ist, der unterstützt das Blumenlädchen in Berlin z.B. durch einen Bericht im eigenen Blog, einen Retweet, dem Fanatismus bei Facebook und natürlich durch eine ordentliche Finanzsspritze. Mal sehen, wie sich die Spendenaktion entwickelt, ganz eventuell gebe ich ja noch einen kleinen Betrag dazu, wenn es mir sinnvoll erscheint…

PS.: Eine weitere Bitte hätte ich noch an die Leser meines Blogs, die Kinder haben: kauft euren Kindern bitte nicht schon zur Grundschule ein Hik-Tek-Handy, welches sie nicht brauchen. Investiert das Geld lieber mal in ein paar vernünftige Bücher – denn diese müssen nicht zwingend immer langweilig sein…