Ist ja schon mal eine Scheißüberschrift, gebe ich zu. Was soll da WordPress großartig übrig bleiben, als den kürzeren zu ziehen? Joomla! ist einfach viel komplexer, professioneller, etc. etc. und vor allem: Die beiden Systeme sind wie gebratener Fisch und Ziegelstein. Also völlig anders und im Grunde unvergleichbar.

Wieso dann also dieser Artikel? Ich versuche mich gerade mal ein wenig (“ein wenig” ist wirklich gut ausgedrückt, passender wäre “drastisch”) in Joomla! einzuarbeiten. Bei meinem Crashkurs lerne ich jedes mal etwas neues über Joomla und werde dabei immer begeisterter.

Ich bin ein Mensch, dem unendlich Funktionen und unendlich Anpassungsmöglichkeiten immer noch zu wenig sind. Je mehr man mit etwas rumspielen kann, umso mehr liebe ich es. Auch wenn darunter die Einfachheit leidet. Ich bin gerne bereit, mich länger mit etwas auseinander zu setzen, um anschließend ungeahnte Möglichkeiten und Wege zu haben, etwas daraus zu machen. Diese Möglichkeiten bietet mir Joomla! zweifelsfrei. Das System ist zwar schwerlastig und viel zu überladen, aber mir gefällts. Sogar bloggen kann man damit!

Trotzdem würde ich WordPress niemals gegen Joomla! tauschen. Ganz einfach deswegen, weil WordPress nun doch eben ein reinrassiges Blogsystem ist mit ebenfalls fantastischen Ausbaumöglichkeiten mittels Plugins und internen Einstellungsmöglichkeiten (es gibt sogar Plugins, die aus WordPress ein vollwertiges CMS machen sollen, also nicht nur ein Blogsystem, aber davon halte ich ziemlich wenig).

Joomla!

joomla interface 319x192 Joomla! vs. WordPressIch bin auch so ein kleiner Designfreak, oder zumindest mag ich es, wenn etwas gut aussieht. Und das Joomla! Backend sieht zweifelsfrei wirklich gut aus.

Joomla bietet weiterhin unendlich viele Anpassungsmöglichkeiten, auch die Community hat bisher (noch, zeitlich) mehr Plugins geschrieben als die WordPress Community. Leider sind viele von ihnen aber nur kostenpflichtig zu bekommen, hier kann WordPress mit seinem GPL-Pluginverzeichnis ordentlich punkten.

Joomla!’s Komplexität ist recht hoch angelegt, selber Plugins zu schreiben ist nicht allzu einfach. Es sind XML-Dateien nötig, das Plugin braucht eine bestimmte Funktion und meines Wissens nach kann man es auch nicht mit einer einzigen PHP-Datei schreiben.

Die Installation von Plugins gestaltet sich auch häufiger etwas schwierig. Man könnte zwar die Pluginordner einfach hochladen, in den wenigsten Fällen kommt das Pluin aber auch nur in einen Ordner. Also bietet Joomla! die Funktion an, das Pluginverzeichnis hochzuladen, damit Joomla es automatisch installiert. Das ist nicht schwer, häufig ist es mir aber unterlaufen, dass der gewöhnliche CHMOD 755 nicht gereicht hat und dass das Plugin deswegen nicht ganz richtig installiert wurde. Man muss sich also anschließend noch ansehen, welche Verzeichnisse betroffen sind, sie auf den CHMOD 777 stellen und nach getaner Installation aus Sicherheitsgründen wieder auf CHMOD 755 ändern. Wer einen eigenen Rootserver oder zumindest dedizierten Server hat, kann aber die CHMOD-Rechte einfacher intern anpassen.

Was mir aufgefallen ist, ist auch die Langwierigkeit, die Joomla so in Anspruch nimmt. Der Upload der knapp 13 MB Joomla!-Dateien (aus dem Kopf, können auch etwas mehr oder weniger sein) dauert bei meiner T-DSL Light 384 Leitung verdammt lange. Auch der Aufbau von Seiten dauert seine Zeit, da Joomla! etliche Dateien einbindet und auch sehr viele Datenbankabfragen durchführt.

Die Installation dagegen dauert trotz der 7 Installationsschritte nicht besonders lange. Ich würde mir für die Zukunft den automatischen Löschvorgang des Installationsverzeichnis wünschen, der nach gelungener Installation nötig ist. Solche Funktionen sind mit PHP durchaus machbar, ich bin nur gerade am überlegen, wie lange solch ein Script bei dem ebenfalls nicht kleinen Installationsordner wohl brauchen würde – standardmäßig erlaubt PHP nur 30 Sekunden für das Ausführen eines Scripts.

Ein mächtig großer Nachteil von Joomla! ist die schlechte Suchmaschinenoptimierung. Es ist ziemlich schwer, als Anfänger die Joomla! Permalinkstruktur vorteilhaft zu nutzen, usw. Diese ganzen SEO-Aspekte sollen (!) aber mit Joomla 1.6 kommen. Ebenso ein automatisches Pluginupdate wie es bei WordPress schon lange vorhanden ist, ist in Planung. Ob parallel dazu auch an einem Coreupdatefeature gearbeitet wird, kann ich gerade leider nicht sagen =)

+ alles ist möglich, es gibt keine Grenzen (habe noch keine gefunden). Also ein wahres Schwergewicht, ein Alleskönner (und der Grund, wieso ich davon so fasziniert bin)
+ bei Installation von Plugins konnte ich kaum Geschwindigkeitsverluste verzeichnen
+ es wird großer Wert auf Sicherheit gelegt (siehe negativ aufgeführter Punkt der zeitlich begrenzten Loginsession)

- relativ schwerfällig (Upload, Installation, Ladezeiten)
– viele kostenpflichtige Plugins, die in der WordPress Directory garantiert kostenlos wären, auch weil sie sonst keine Überlebenschance hätten
– schlechte Suchmaschinenoptimierungsmöglichkeiten
– extrem nervig: nach einer relativ kurzen Zeit läuft das Adminticket ab und man muss sich neu anmelden (grad zu faul zu gucken, ob das über Sessions oder Cookies läuft. Ich vermute stark, nach Sessions)

+ / – einerseits komplex, andererseits ist es wohl schwierig so viele Einstellungsmöglichkeiten in einem einfacherem Interface unterzubringen.
+ / – einfache Templateengine. Keine wäre aber schöner, PHP ist selbst schon eine Templateengine – dies würde Performance sparen

WordPress

wordpress interface 320x256 Joomla! vs. WordPressAuch das Backend von WordPress sieht (vor allem seit der Version 2.7) so richtig lecker aus.

Plugins gibt es kostenlose en masse, die WordPress Community wird wohl in den nächsten Tagen die 4000-Pluginmarke knacken, die völlig kostenlos in der Plugindirectory gelagert sind. Hier geht alles viel schneller und einfacher. Es gibt viele tolle Plugins, die zu fast jeder Problemstellung eine Lösung bieten.

Die Einfachheit ist wohl das größte Plus, welches WordPress aufweisen kann, so wie die große Community, Stabilität und Erweiterbarkeit. Viel mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.

+ Plug & Play: Alles ist so einfach, dass selbst meine Oma damit zurechtkommen würde
+ PHP als Templateengine
+ gigantische völlig kostenlose Plugindirectory
+ einfache Suchmaschinenoptimierung (Permalinkstruktur, SEO-Plugins, etc.)

+ / – in der Standardinstallation relativ schnell. Tendiert aber dazu, mit vielen Plugins ebenfalls schwerfälliger zu werden (viele Blogger, die etliche Plugins installiert haben, werden mindestens die gleichen Ladezeiten vorweisen können wie Joomla!)
+ / – reinrassige Blogsoftware. Wer mithilfe von Plugins versucht, aus WordPress ein normales CMS zu machen, hat in meinen Augen versagt. Allerdings die beste Blogsoftware, die es gibt

Im Vergleich

Joomla!‘s Komplexität ist extrem hoch angelegt, selber Plugins zu schreiben ist um einiges schwieriger als bei WordPress. Auch bietet Joomla! eine eigene Templatesprache an. Diese zu lernen ist zwar nicht schwierig, aber für mich als bisher absoluten WordPress-only-User, der etliche Templates nur für WordPress geschrieben hat, war recht unangenehm. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass WordPress mit PHP arbeitet und ich im Grunde recht fix in PHP bin und die WordPress-Templateengine – wenn man sie denn so nennen darf – nur aus WordPress-eigenen PHP Funktionen besteht.

Dann ist es natürlich viel einfacher, einen Blog nach oben zu bringen (und erst recht, wenn einem so tolle Plugins wie wpSEO zur Verfügung stehen) als eine statische Seite. Das macht Joomla! aber nichts, weil Joomla! auch als Blog benutzt werden kann. Allerdings sind die SEO-Möglichkeiten wahrhaft grottig und die Kommentarstruktur eines Joomla! – Blogs ist ebenfalls furchtbar.

Sicherheitstechnisch sind übrigens beide Systeme sehr gut. Die Entwickler sind immer aktiv und sollte es denn doch einmal eine Sicherheitslücke geben, wird sie von beiden Seiten immer sehr schnell geschlossen.

Wie aber gesagt, ich liebe diese Komplexität, die mir ungeahnte Wege offen legt. Dank Joomla! bin ich in keinem Internetprojekt mehr verzweifelt, weil ich weiß, dass es mit Joomla! – wie schwer die Aufgabe auch sei – möglich sein wird. Es ist außerdem unmöglich, einen ellenlangen Artikel über Joomla! zu schreiben und darin nicht das tolle Plugin VirtueMart zu erwähnen. Wer ein Shopsystem braucht, sollte es hiermit gefunden haben. Ich persönlich habe etliche Shoplösungen ausprobiert: xt:Commerce, oSCommerce, Prestashop, Magento… Und kann nun guten Gewissens sagen: Was besseres als Virtuemart gibt es nicht! Downloadbare Güter können angeboten werden, ein Affiliatenetz kann gestartet werden, das Design ist einfach anpassbar, eine große hilfsbereite und aktive Community ist vorhanden… TOP! Dagegen sind die semiprofessionellen Shopplugins für WordPress nur ein Fliegenschiss wink Joomla! vs. WordPress

Fazit

Unvergleichliche Systeme (witzg, oder? Oben steht noch “Im Vergleich”… wink tongue Joomla! vs. WordPress ). Ich bin froh als Webworker froh, dass es beide gibt und konnte nun mein Wissen und Angebot auf ein wirklich tolles System erweitern. Ich denke, damit habe ich die beiden populärsten Content Managment Systeme abgedeckt und kann jedem Kunden passable Ergebnisse vorlegen. Typo3 z.B. ist für mich absolut unnötig und ist bei weitem nicht so gut wie Joomla! oder WordPress (wobei man das wieder so schlecht vergleichen kann, aber ich tu es mal trotzdem =) )

Was ist mit all den anderen Content Managment Systemen, die da draußen im Netz rumschwirren? Es gibt unzählbar viele. Kleine, von Privatleuten geschriebene, größere und umfangreichere spezifische, die Webentwickler für ihren Job geschrieben haben und nicht öffentlich anbieten, kostenpflichtige und noch viele andere. Es ist schwer sich dabei auf ein CMS zu konzentrieren, da man ja auch nicht den Umgang mit jedem CMS lernen möchte, sondern sich lieber auf das beliebteste und beste beschränkt.

Sogar ich habe mal ein CMS angefangen gehabt und finde es bis zum heutigen Tage noch durchaus durchdacht und ziemlich wettbewerbsfähig. Es fliegt irgendwo hier bei mir im htdocs-Ordner herum und besticht durch Einfachheit, die ich teilweise sogar bequemer finde als bei WordPress (ich habe es nach dem Konzept gebaut, nach welchem ich früher immer bei Google etwas gesucht habe). Ich spreche so geheimnisvoll, weil ich ja nicht will, dass mir die Idee jemand klaut, obwohl sie an sich gar nicht neu ist. Vielleicht entwickle ich ja irgendwann daran weiter. Aufgehört habe ich daran übrigens weil mir das nötige Wissen in JavaScript gefehlt hat (und auch in AJAX), ich bin ein reiner PHPler wink tongue Joomla! vs. WordPress