[Buchrezension] Faserland
Die Scheiße fliegt den Menschen nur so auf den Kopf. Selbstmordattentäter, die sich von einer Brücke mitten in Grillpartys stürzen. Harte Drogen- und Sexexzesse. Völlig sinnfreie Nebensächlichkeiten, die keine große Bedeutung haben und auch teilweise langweilig zu lesen sind. Faserland – von Christian Kracht, 1995 erschienen – liest sich für mich wie das kitschigste und sinnentfremdeste Buch, was es gibt. Ursprünglich haben wir uns in der Klasse dazu entschieden, es zu lesen – aus dem einfachen Grunde heraus, weil es das kürzeste Buch ist; übrigens nur ein weiteres Beispiel dafür, dass Demokratie einfach nicht funktionieren kann bzw. will. Ich war ja für die Camorra, auch wenn am Anfang Leichen aus Kühlcontainern purzelten – es ist interessant die Wahrheit über die italienische Mafia zu erfahren!
Aber zurück zu Faserland. Der namenslose junge Protagonist reist in Faserland durch Deutschland, und zwar aus dem Norden in den Süden, wobei er schließlich sogar außerhalb Deutschlands – in Zürich landet. Der Protagonist (Kracht schreibt übrigens aus der Ich-Perspektive), also das Lyrische Ich startet in Sylt, kommt nach Hamburg, dann Frankfurt, dann Heidelberg, dann München, dann Meersburg und schließlich Zürich.
Dabei erzählt das Ich am laufenden Bande irgendwelche Kindheitsgeschichten, denkt in absolut unmöglichen Situationen daran, wer wohl die gerade laufende Musik komponiert bzw. gespielt hat und versinkt in der Tiefe des menschlichen Sumpfes. In jeder Stadt besucht er abends irgendwelche Partys (nachdem er in einem schnieken Hotel eingecheckt hat, weil er nämlich ziemlich Reich ist, also der Protagonist) und kommt dabei ständig in Berührung mit Mädchen, die er verlässt, ohne sie überhaupt richtig kennen gelernt zu haben, weil diese ihn wegen der Drogen und Kotzschwälle anekeln, mit kleinen reichen Drogenhippies, die versuchen, ihm den Finger in den Arsch zu stecken und noch einiges mehr an Widerwertigkeiten, die sich häufig auch in seinen Gedanken abspielen.
Das Buch stellt also keine großen Anforderungen an den Leser, weil völlig amateurhaft geschrieben. Ich komme mir beim Lesen immer vor wie ein Idiot. Dieses Gefühl wird merkwürdigerweise aber noch durch folgende Merkwürdigkeit gesteigert: Ich kann nicht aufhören Faserland zu lesen. Obwohl mich der Protagonist anekelt – grenzt er sich doch selber von Gesellschaft aus und ist nicht fähig, Kommunikation zu betreiben, seine Gedanken sind widerwertig und er erscheint mir trotz seines Geldes als das letzte Schwein ohne Freunde – ist er mir gleichzeitig sympathisch. Irgendwo kann ich es verstehen und irgendwo auch nicht. Ich weiß jetzt nicht, ob ich das richtig erklärt habe…
In dem Buch gibt es übrigens ganz viel, was weder der Autor erklärt noch was ich erklären kann, z.B. wieso es bei all seiner Kitschigkeit doch so fesselnd ist. Und trotz der leichten Sprache und absolut keiner stilistischen Mittel regt das Buch zum Nachdenken an, nein, es zwingt einen förmlich zum Nachdenken. Sehr weit kommt man aber trotz des NAchdenkens nicht… Wem der Schreibstil, den ich in diesem Artikel teilweise angewandt habe, gefällt, sollte übrigens doch zugreifen – in diesem Stil ist das Buch nämlich auch geschrieben.

